Hölle-Stille-Quelle
Home Ressourcen Seminare Wir über uns Kontakt

 

Zurück Nach oben Weiter

Die Hölle - Die Stille - Die Quelle

Christine Robert

 

Noch einen besonderen Ort haben wir auf „Neuland“ kennen gelernt, ein großes „Loch“, in die leicht hügelige Landschaft gegraben zur Gewinnung von Lehm vor langer Zeit. Oben, an seinem Rand und an den Hängen wachsen heute Bäume.

Wir nähern uns dem Ort über einen schmalen Weg, gehen durch eine Art Tor, zu beiden Seiten eingefasst von zwei Baumwächtern. Plötzlich und unvorbereitet öffnet sich der Blick in überraschende Tiefe, der Weg führt in leichtem Bogen steil nach unten. Wir steigen hinab, mit jedem Schritt in tiefem Laub versinkend. Unten erhebt sich eine ungewöhnlich hohe, majestätisch aufragende, schlanke  Buche ganz in der Nähe eines kleinen Teiches in der Talsohle des Ortes. Der ist von früheren Besitzern – sie waren Kaufleute und handelten mit China - nach asiatischem Vorbild als Sechseck angelegt worden. Tritt man nahe an ihn heran, sieht man im Spiegel seines schwarz glänzenden Wassers die Laubkrone der Buche im Himmel schwimmen. Am Grunde des Teiches liegt moderndes Laub. Sein Wasserspiegel bleibt immer gleich -- die Erde ersetzt in Zeiten großer Trockenheit verdunstendes Wasser aus unsichtbarer Quelle - und nimmt, was zuviel ist, in regennassen Zeiten in sich auf. So bleibt der Ort auch bei Regennassem Wetter offen und begehbar und gibt unserer Seele das Bild einer verlässlichen Quelle, die nicht versiegt. 

Ein paar umgestürzte Bäume liegen, Moosbewachsen, kreuz und quer, laden zum Balancieren ein und sind Nährboden auch für Pilze und Würmer - es gibt viel totes Holz. Die Sonne über uns bricht spärlich durch den Laubhimmel der Bäume, lässt neben den kleinen Lichtflecken auch die Schatten deutlicher hervortreten.

Hier unten herrscht eine besondere Stille.

Je nachdem, in welcher Verfasstheit wir zu ihm kommen, zeigt uns dieser Ort mal die eine, mal die andere Seite. Nonnen, die vor Jahren auf dem Gelände zu Hause waren, nannten ihn  „Die Hölle“. Nach längerem Verweilen lässt er uns eintauchen und in Einklang kommen mit Schwerem und dunklem Geheimnis, mit den Schatten ebenso wie mit dem Spiel der Sonne. Er weiht ein in die Kraft des Sterbens und des Lebens. In seiner Eigenschaft als Schwelle in eine andere Dimension der Wirklichkeit erscheint er uns bei unseren Besuchen abwechselnd als Hölle, Stille und Quelle – zum Schluss ist er all das zugleich. Kinder suchen ihn manchmal für ihre Spiele auf, so lädt er auch ein zum Spielen. Eine Atmosphäre des Geheimnisvollen umgibt ihn, Schrecken und Leben sind gleichermaßen in ihr aufgehoben. Es ist ein Ort, der still werden lässt und Kraft gibt, nicht zuletzt, weil er an Tod erinnert und an Neugeburt - und an die Quelle des Lebens, dessen Beginn ja auch im Dunklen liegt  -  so können wir all dem in unserer Seele einen Platz geben.

Aus einer Wunde, die Menschen vor langer Zeit in die Erde gruben, ist ein besonderer Ort von Kraft und eigener Würde geworden.

 

Zurück Nach oben Weiter

Senden Sie Email mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: webmaster@sixth-sense-in-service.net 
Copyright © 2006, 2007, 2008 Sixth Sense in Service Network
Stand: 27 April 2008