
Geburtsortaufstellung
Von Berchthold Wasser
12. März 2005
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Unsere Wurzeln
reichen
tiefer
In einer ausgesprochen ländlichen, traditionell bäuerlichen
Gegend in der Schweiz ist die Aufnahme zugezogener Leute noch heute ein
langwieriger, steiniger Prozess. Dies musste auch eine Familie aus Deutschland
erfahren. Ihr Sohn, ein heiterer, zwölfjähriger Junge wurde von seinen
Schulkameraden immer wieder belacht, ausgeschlossen und manchmal sogar
geschlagen. Verständlich die Sorge der Eltern und ihr Wunsch, mit einer
Systemaufstellung eine Klärung und eine Lösung zu finden. In der Rolle des
Sohnes zeigte sich die gute Stärke der Eltern, eine eher humorvolle
Auseinandersetzung mit den anderen Knaben, eine deutliche Ablehnung durch deren
Eltern und – ganz deutlich - ein Einsinken in den Boden. In der
Stellvertreterrolle habe ich dieses Einsinken vorerst als Versuch aufgefasst,
abzutauchen und zu verschwinden. Doch bald verwandelte sich die Empfindung des
Einsinkens und wich einem Gefühl grosser Stabilität. Ein Einsinken in die Erde
hatte stattgefunden, aber nicht, um ins Bodenlose abzutauchen, sondern um
sicheren Halt zu gewinnen. Erstaunlich, mit welcher Stabilität und Sicherheit
der Stellvertreter des Sohnes nun dastand. Diese Bodenhaftung war so stark, dass
er die Präsenz der Eltern zwar schätzte, aber selber keinerlei Angst oder Kummer
betreffend seiner Zukunft an diesem Ort verspürte. Im Gegenteil, dank der
eigenen Stabilität wuchs seine Fürsorge für die Eltern, und Gedanken, sie
könnten sich zu stark einmischen und dadurch zu Schaden kommen, tauchten auf.
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Die erfahrene Stabilität, diese Bodenhaftung
war wirklich bemerkenswert: weshalb sollte dieser Boden ausgerechnet einem
jungen Deutschen Stabilität und Sicherheit verleihen? Dieser Frage folgte eine
überraschende Antwort. Natürlich ist dieser Junge ein Deutscher, denn sowohl
der Vater wie die Mutter sind es. Er ist aber auch ein Kind dieses Dorfes, denn,
was vor und während der Aufstellung niemand wusste, ist, dass dieser Junge in
jenem Dorf in der Schweiz zur Welt gekommen war.
Eigentlich ist die Feststellung, dass der
Junge durch die Geburt auch Kind dieses Dorfes und dieser Gegend ist, nicht
revolutionär und hätte kaum zu einem intensiven Entwicklungsprozess geführt,
wäre das Erlebnis in der Stellvertreterrolle nicht derart klar und überzeugend
gewesen. Noch Stunden später war die Einwirkung des Bodens deutlich, der
Stellvertreter stand tatsächlich „mit beiden Füssen am Boden“. Noch
bemerkenswerter wird dieses Gefühl, wenn der Bezug zu den anderen Gefühlen in
dieser Rolle hergestellt wird. Der zwölfjährige Junge erhielt in dieser
Situation die entscheidende Kraft nicht von den Eltern, seinen Lehrern oder
anderen Bezugspersonen, sondern von diesem Boden, von der Erde an diesem Ort!
Kurz nach dieser Aufstellung, im Januar 2004,
traf ich mich mit Christine Robert, und Chrisjan Leermakers, um das erste „Forum
Naturaufstellungen“ vorzubereiten. Berührt und verwundert sprachen wir über
diese Geschichte. Ganz offensichtlich hatte sich in dieser Aufstellung
unerwartet und unaufgefordert eine starke Verbindung gezeigt, eine Verbindung
und eine Kraft, die weit über das Familiensystem und das System dieses Dorfes
hinausreichen. War uns da ein Stück des tieferen Sinnes für Begriffe wie „Mutter
Erde“, oder „Vater-„ und „Mutterland“ zugefallen? Sind wir tatsächlich sowohl
Kinder unserer Familie, unserer Sippe und unseres Volkes und zugleich, und nicht
weniger stark, Kinder eines bestimmten Ortes, einer Gegend, einer Landschaft und
eines Lebensraumes? An dieser Stelle sei betont, dass wir hier nicht von einer
romantisch verklärten, naturschwärmerischen Vorstellung, sondern vom Erlebnis in
der Aufstellung sprechen. Von Wurzeln, die nicht erdacht, sondern in dieser
Rolle körperlich wirklich waren. Wir ahnten, dass diese Erfahrungen ein
Schlüssel für die Weiterentwicklung der Naturaufstellungen sein werden und
empfinden es noch heute als grosses Geschenk, dass sie uns zu jenem Zeitpunkt
zugefallen sind.
Oben haben wir vom Familien- und Dorfsystem
nach Aussen geblickt und festgestellt, dass der Stellvertreter eine Verbindung
zu einem Feld verspürt hat, das über die Sphäre der Menschen hinausreicht. Aber
auch der Wechsel der Blickrichtung ist lohnend, erkennt man doch, dass eine
starke äussere Kraft ins System des Dorfes und der Familie hereinwirkt. In
diesem Falle war diese Kraft derart stark, dass sie die Interaktionen beider
Systeme massgeblich mitbestimmt hat.
Im Gespräch erinnerten wir uns dann an
Aufstellungen von Bert Hellinger und Daan van Kampenhout, und einige ihrer
Anweisungen erschienen uns plötzlich in neuem Licht. Mehrmals hatte Bert
Hellinger KlientInnen aufgefordert, in ihr Land zurückzukehren, oft im Sinne
einer letzten, äussersten Massnahme. In der Rolle der Stellvertreter der
jeweiligen Länder zeigte sich meistens eine große, in sich ruhende Kraft und
diese könnte auch im Land an sich, also der nicht kulturellen Ebene des Landes
entspringen. Bei einer Aufstellung von Daan van Kampenhout war diese Verbindung
offensichtlich. Während seines Workshops am Systemkongress 2003 in Würzburg,
wählte er als Kraftquellen für eine Frau aus Afghanistan zwei Stellvertreter für
Berge aus diesem Land.
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In unserer Erinnerung war der Auftritt dieser
Berge einer der herausragenden Momente des Workshops. Die lösende Wirkung dieser
Anweisung Daan’s war ausserordentlich, viele Leute im Saal waren tief berührt,
und auch auf der Videoaufzeichnung behält dieser Augenblick seine Faszination.
Aus diesen Erinnerungen wuchs unsere Vermutung, dass die von uns beachtete
Verbindung und die damit verbundene Kraft zwischen dem Menschen und seinem
Geburtsort bisher wohl nicht ausdrücklich benannt, in manchen Aufstellungen aber
eindrücklich gefühlt worden sind.
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Wo sich Seele, Lebenskraft und Körper begegnen
Klar wollten wir sofort mehr erfahren,
hinfühlen, ob uns aus oder durch den Geburtsort tatsächlich eine grosse Kraft
entgegenkommt. Damit stellte sich die Frage nach einem möglichen
Aufstellungsformat, und diese Frage gab dem Gespräch eine neue Richtung.
Weil wir nur zu Dritt waren, baten wir Petra
Sloan, unsere Gastgeberin, um Unterstützung. Auch zu viert waren wir beschränkt
in der Anzahl möglicher StellvertreterInnen, und zudem lag kein passendes
Anliegen „in der Luft“. Zum Glück waren die Köpfe frei für Ein- und Zufälle, und
diese liessen nicht auf sich warten. Sofort fielen uns die „kleinen Übungen“
von Dann van Kampenhout ein. Daan nennt sie „klein“, weil nur wenige, zwei bis
drei, manchmal vier Personen beteiligt sind. In ihrer Wirkung sind diese
wunderbaren Übungen aber stark, oft tief berührend und manchmal erschütternd,
Daan sei Dank! Eine seiner Dreierübungen mit den Rollen Persönlichkeit,
Lebenskraft und Seele hat er eingeführt, damit die Qualitäten von Lebenskraft
und Seele deutlich gefühlt und unterschieden werden können.
Weshalb wir diese Übung als Grundlage für die
„Geburtsortaufstellung“ gewählt haben, lag nicht zuletzt an einer
„Märchenaufstellung “, die wenige Wochen zurücklag. Dort war zu sehen, dass die
durch StellvertreterInnen verkörperten Farben, „Rot wie Blut, Weiss wie Schnee
und Schwarz wie Ebenholz“ zur Geburt Schneewittchens zusammenkamen. In ihren
Rollen hatten die Farben klare und differenzierte Wahrnehmungen. Rot fühlte sich
kräftig, lebendig und initiativ. Weiss grenzenlos frei und Schwarz stabil, kalt
und leblos. Benennt man diese drei Rollen nicht nach den Farben, so sind die
Begriffe Lebenskraft (Rot), Seele (Weiss) und Körper (Schwarz) nahe liegend. Es
war, als hätte die Aufstellung der drei Farben ein Geheimnis dieses Märchens
offenbart, nämlich die Vereinigung von Lebenskraft, Seele und Körper bei der
Geburt von Schneewittchen.
Der Geburtsort weist den Weg ins Leben
Ohne weiter darüber zu sprechen, wussten wir,
dass alle wichtigen Elemente für eine erste Geburtsortaufstellung vorlagen. Im
Nachhinein erkennen wir den phänomenologischen Charakter dieses
Entstehungsprozesses. Die Geschichten und mit ihnen der Geburtsort, die
Lebenskraft und die Seele waren plötzlich einfach da, und weil der Schleier
unserer Vorstellungen während des Prozesses wohl durchlässig war, konnten wir
diese Elemente wahr-nehmen.
Gut eingestimmt, stiegen wir in die Rollen der
ersten Geburtsortaufstellungen. Jemand stand für seine Persönlichkeit, sie
wählte dann je einen Stellvertreter für den Geburtsort, für ihre Lebenskraft und
ihre Seele. Wegen „Personalmangel“ wurde die Aufstellung nicht begleitet, es
schien uns richtig, dass alle StellvertreterInnen ihren Bewegungsimpulsen folgen
konnten.
In diesen ersten Aufstellungen augenfällig und
neu war einerseits die vom Stellvertreter wahrgenommene Qualität des
Geburtsortes, andererseits dessen Wirkung auf Seele, Lebenskraft und
Persönlichkeit. Deutlich und stark war seine Bereitschaft, man könnte sogar
sagen sein Wunsch, sowohl der Seele als auch der Lebenskraft ins Leben zu
helfen. Diese Bereitschaft, frei von allen Bedingungen, lässt sich durch ein
kräftiges und klares, jedoch schlichtes „Ich bin für Euch da“ benennen.
Gleichzeitig wurde in dieser Rolle klar gefühlt, dass es nicht Aufgabe des
Geburtsortes ist, auf die Seele, die Kraft oder die Persönlichkeit zuzugehen, um
etwas zu beschleunigen oder gar zu erzwingen.
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Für die Seele zeigte sich der Geburtsort als einziger
Zufluchtsort in einem unbekannten und beklemmenden Umfeld. Geduldig und
fürsorglich, so wie man einem verlorenen Kind in einem Kaufhaus begegnet,
wendete sich der Geburtsort zu der tief verunsicherten Seele.
Für die Lebenskraft war der Weg ins Leben
unbelastet und spontan. Auch für sie hatte der Geburtsort eine gute und
anziehende Wirkung. Zwischen der lebendigen, zeitweise ungestümen Lebenskraft
und der verängstigten Seele übernahm der Geburtsort mit seiner Ruhe und seiner
Zuversicht auch die Funktion des geduldigen Vermittlers.
Die Persönlichkeit blieb vom ganzen Geschehen
lange Zeit wenig berührt. Eher erstaunt und irritiert beobachtete sie die
Bewegungen von Seele und Kraft. Allerdings änderte sich dies, je näher Seele und
Kraft sich kamen. Jetzt erwachte auch die Persönlichkeit zum Leben. Eine
Umarmung von Seele, Kraft und Persönlichkeit unter der schützenden Obhut des
Geburtsortes, oder dürfen wir sagen, mit dem Segen des Geburtsortes, bildete den
Abschluss.
Am ersten Forum „Naturaufstellungen“ im Haus
Königssee in Oberdürenbach haben wir diese Aufstellung erstmals eingeführt, in
drei Gruppen hatten die TeilnehmerInnen die Möglichkeit, ihren Geburtsort
aufzustellen. Wie zu erwarten, verlief jede dieser Aufstellungen anders, die
oben beschriebenen Grundmuster waren aber durchweg zu erkennen, besonders
deutlich die uneingeschränkte Bereitschaft des Geburtsortes, die Seele und die
Kraft ins Leben zu führen.
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Einschneidende Erlebnisse können uns vom Segen des Geburtsortes
trennen.
Nach dem ersten Forum in Oberdürenbach haben
auch Erna Jansen, Johannes Schmucker und Ken Sloan in eigenen Workshops und
Experimentiergruppen Geburtsaufstellungen begleitet. Seither haben die sechs
Mitglieder des „Teams Naturaufstellung“ ihre Erfahrungen mit den
Geburtsaufstellungen mehrmals ausgetauscht, und nach wie vor berichten alle, wie
bewegend und wichtig es für die TeilnehmerInnen ist, der segnenden Kraft des
Geburtsortes zu begegnen.
Zwei Aufstellungen verliefen aber deutlich
anders.
Bei der ersten Aufstellung war der Geburtsort
für die Seele kein sicherer Halt, im Gegenteil, mehr und mehr zog sie sich
zurück und setzte sich schliesslich ausserhalb des Kreises unter eine grosse
Zimmerpflanze, die Aufstellung wurde abgebrochen. Nach der Aufstellung
berichtete die „Klientin“, dass an ihrem Geburtsort Raketen mit Atomsprengköpfen
stationiert worden sind. Durch Demonstrationen und lang anhaltende Kontroversen
in der Presse wurde ihr Dorf zu einem Symbol atomaren Schreckens. Wo immer es
möglich ist, vermeidet sie es seither, ihren Geburtsort zu erwähnen. Wichtig ist
der Hinweis, dass auch in dieser Aufstellung der Geburtsort seine Bereitschaft
zu helfen deutlich bekundete, indem er die Arme in Richtung Seele und Kraft
ausbreitete. Je länger er unbeachtet blieb, desto schwächer wurde seine Geste,
bis er schliesslich „irritiert“ und „verständnislos“ dastand. Auch nach der
Aufstellung konnte er nicht verstehen „dass ihr mich nicht gesehen habt“.
Weshalb der Geburtsort seine übliche Wirkung nicht entfalten konnte, obwohl die
Raketen erst hingestellt worden sind, als sie bereits eine junge Frau war,
können wir nicht beantworten. Was wir aber sehen konnten, ist ihr späteres
Unvermögen, auf die Hilfsbereitschaft des Geburtsortes zurückzugreifen.
Die zweite Aufstellung verlief ähnlich, die
Seele mochte sich nicht zum Geburtsort begeben, und bis kurz vor Schluss blieb
sie irritiert und ängstlich am Rande der Aufstellung stehen. Auch hier war die
Kraft und das Interesse des Geburtsortes deutlich zu sehen, und auch er war
„deprimiert“, weil er nicht beachtet und um Hilfe gebeten wurde. Die lösende
Bewegung setzte erst ein, als der Begleiter die Persönlichkeit zum Geburtsort
hin wendete und sie aufforderte, zu sagen: „Jetzt sehe ich dich und deine
Kraft“. Seele und Lebenskraft wandten sich zum Geburtsort und konnten diesen
jetzt wahrnehmen. Nach der Aufstellung erzählte die „Klientin“, wie sie in
einer Barackensiedlung geboren und aufgewachsen ist. In dieser Siedelung hausten
die Ärmsten, sozial Randständigen dieser Grossstadt. Sie trug das Stigma dieser
Siedlung, und auch sie vermied es stets, ihren Geburtsort zu erwähnen.
Weil beide Aufstellungen nicht nach gewohntem
Grundmuster verliefen, konnten wir einige Dinge neu, bzw. in einem weiteren
Rahmen sehen:
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Der Geburtsort war immer bereit, die Seele, die Kraft und die
Persönlichkeit bei der Integration zu unterstützen, unabhängig davon, was an
diesem Ort geschehen war.
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Ereignisse am Geburtsort können nachhaltig traumatisierend
wirken, insbesondere auf die Seele. Die positive Wirkung des Geburtsortes kann
dann weder gesehen noch genutzt werden.
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Wenn die Persönlichkeit den Geburtsort anerkennen kann, ist
es möglich, dass eine heilende Bewegung für Seele und Kraft einsetzt.
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Der Geburtsort als Brücke zur Kraft und Bindeglied zur „grösseren
Familie“
Daan van Kampenhout hat uns gelehrt, bei Aufstellungen zuerst
auf die Kraft, und erst dann auf die Lösung zu schauen. So wie wir die Bedeutung
und die Wirkung des Geburtsortes bisher erfahren haben, ist er eine unserer
grossen Kraftquellen. Vermutlich ist es treffender zu sagen, dass der Geburtsort
uns mit einer grossen, ursprünglichen Kraft verbinden kann. Was der
Stellvertreter in der einleitend erzählten Aufstellung erlebt hat, diese ganz
einfache aber unerhört deutliche Verbindung zur Erde, ist wirklich
bemerkenswert. Unsere wachsende Gewissheit, dass der Geburtsort in vielen
Aufstellungen - auch in Familienaufstellungen - eine Brücke zu einer
ursprünglichen Kraft sein kann, war auch Anlass zu diesem Beitrag.
Wer als Stellvertreter des Geburtsortes stehen
kann, erfährt sich als „zur Welt der Menschen bezogen“, bereit und offen, für
sie da zu sein. Wie sich der Geburtsort selber fühlt, ist nicht einfach in Worte
zu fassen. Zutreffend sind die Worte „bewusst“ und „wach“, doch dann wird’s
schwierig. Ich habe Worte wie „irritiert“ oder „deprimiert“, hätte gerne
„betroffen“ und „traurig“ hingesetzt, dies aber vermieden, weil diese Worte
schnell für Missverständnisse sorgen. Ich kann es nicht genauer benennen, und
doch will ich nochmals auf diesen wichtigen Punkt blicken. Wie gesagt, wir
haben den Geburtsort immer wieder als zur Welt der Menschen - oftmals vor allem
zur Seele - hingewendet erlebt. Oft wurde diese Ausrichtung durch eine schlichte
Handbewegung ausgedrückt. Das Nicht Beachten dieser Geste in den oben
skizzierten Aufstellungen, war für den Geburtsort tatsächlich nicht belanglos,
und dies ist doch bemerkenswert. Ein geographischer Ort, den man durch
Koordinaten und Meereshöhe genau definieren kann, zeigt „Interesse“ am Schicksal
eines bestimmten Menschen - ist das nicht unglaublich?
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In unserem normalen Denksystem ist es das,
ganz gewiss. Wenn wir aber davon ausgehen, dass es Ganzheit gibt, sind unsere
Beobachtungen nicht länger abwegig, im Gegenteil; dann müsste man doch
eigentlich voraussetzen, dass es auch zwischen Mensch und Erde Beziehung geben
muss. Derartige Beziehungen, zum Beispiel zwischen Bergen, Flüssen, Bäumen,
Tieren und Menschen sind das, was wir in Natur-, Orts- und
Landschaftsaufstellungen immer wieder erleben. Und weil diese Beziehungen nicht
nur einfach schön und interessant sind, sondern durchaus bedeutungsvoll für
Systeme auf der Ebene der Menschen, ist es uns wichtig, dass die Existenz und
die Bedeutung der grösseren Familie gesehen und anerkannt wird!
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